Location: Kultur Cafe Kiemhild

Lesezeit: 20:30 Uhr

Martin Kolozs,

Geboren 1978 in Graz, aufgewachsen in Innsbruck; dort Volkschule und Gymnasium; Diplomstudium der Christlichen Philosophie an der Theologischen Fakultät der Leopold Franzens Universität Innsbruck; freie journalistische Tätigkeit seit zwanzig Jahren, mehrere Buchpublikationen; ist verheiratet, lebt in Wien.

AUSF STAUBIGER STRASSE, Sonderzahl Verlag

Martin Kolozs ist auf einer Südamerika-Reise viele Tage mit dem Auto durch die Anden gefahren, durch die Atacama-Wüste, zu heißen Quellen und zu blendendweißen Salzebenen; er hat viel über Land und Menschen gelesen »… an manchen Tagen war die Intensität so groß, dass sich alles unwirklich anfühlte und Formen, Farben, Gerüche und Geräu-sche auseinanderbrachen …« und er stieß auf die reale Geschichte eines Serienmörders: Pedro Alonso López hatte zwischen 1978 und 1980 hunderte Mädchen ermordet, kam aber im Jahre 1999 wieder frei und ist seitdem untergetaucht. Dieses »Monster der Anden« ließ Kolozs von nun an nicht mehr los, ist ihm gewissermaßen erschienen und überall hin gefolgt: Was ist das Böse und wo lauert es?

Martin Kolozs beantwortet diese Frage nicht, sondern stellt die Frage in ihrer ganzen Komplexität und Monstrosität mit literarischen Mitteln dar. Entstanden ist so ein dialogreicher Roman, der die Armut der Land bevölkerung, die Kargheit der Landschaft, die staubige Hitze spüren und schmecken lässt – Soroche, die Höhenkrankheit, wird nahezu erfahrbar. Raffiniert werden Krimi-Versatzstücke benutzt, beim Personal des Romans sind Zeugen und Verdächtige oft nur schwer zu trennen: zwei Kriminalbeamte, die unterschiedlicher nicht sein können, die einfältigen Eltern des ermordeten Jungen, ein alkoholkranker Lamazüchter und sein Sohn, ein wortkarger Archäologe und ein um das Seelenheil der Menschen besorgter Pfarrer …

Die Frage, wer der oder die Täter sind – als anonyme Stimme (in kursiv gesetzten Passagen) immer wieder hörbar, den Fortgang der Handlung unterbrechend – stellt sich dem Leser ständig, bleibt aber letztendlich zweitrangig: »Der größte Trick des Teufels ist, uns seit jeher vorzumachen, dass es ihn nicht gibt … so lockt er uns in die Falle: Wir hören auf, uns vor ihm zu ängstigen … sündigen! … und laufen so direkt in seine Arme.«